Rezension von Barbara Kohout über das neue Buch von Anca E. Wimmer: „Sei brav und du hast keinen Ärger – Für immer geprägt“

Dieses Buch habe ich in einem Zug gelesen. Es handelt von der Reise durch ein von Extremen geprägtes Leben: Die extreme Doktrin der Zeugen Jehovas, die der kleinen Anca nur Ängste zu bieten hat, die extrem zerrüttete Ehe der Eltern und das extreme Verhalten des Vaters, der sie quält und demütigt. Verstörend wirkte auf mich die heitere Beschreibung einer scheinbar normalen Kindheit. Ich wusste, dass Anca, wenn sie vom Toben im Heu und den vielen Tieren auf dem Anwesen der Großeltern schreibt, nur das erzählt, an was ihre Seele bereit war, sich zu erinnern. Sie beschreibt nachvollziehbar, wie das Leben einer Frau funktioniert, die sich selbst verloren hat und die weder ihre eigenen Bedürfnisse noch Gefühle oder Nähe ertragen kann. Die Flucht vor der Wirklichkeit findet sie im extremen Sport, der suchtartigen Charakter annimmt.

Die Traumatisierung in ihrer Kindheit ist so unerträglich, dass sie die Erinnerung daran in ihr Unterbewusstsein verbannt hat. Durch eine Hypnose-Therapie kommt sie aber diesem Teil ihres Lebens näher.

Erst der Aufenthalt in der Adula-Klinik hilft ihr zu verstehen, wer sie ist und wie wertvoll die Selbstfürsorge auch für ihre Ehe und die Kinder ist. Den Ausspruch ihrer Therapeutin hat sie sich eingeprägt:

„Das Heiligste, das eine Mutter für ihre Kinder tun kann, ist ihre Selbstfürsorge.“

Und auf ihrem Spiegel zu Hause steht:

„Hier siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.“

Ein wirklich lesenswertes Buch! (Barbara Kohout)